Unternehmensbewertung

Wenn schon – denn schon: Unternehmensbewertung – mal richtig!

Ob lang ersehnt, von den Umständen gedrängt oder doch schon immer geplant, bei vielen Unternehmern/-innern stehen mindestens einmal im Leben Überlegungen zu einer Unternehmensnachfolge bzw. einem Unternehmensverkauf an.

Eine unumgängliche Voraussetzung dazu ist eine realistische Unternehmensbewertung, die sich je nach Branche und Größe des Unternehmens mit verschiedensten Ansätzen und Methoden bestimmen lässt.

Wie berechne ich den Wert meines Unternehmens?

Als Gründer/-in das „Lebenswerk“ zu veräußern ist oft schon schwierig genug, jedoch einen passenden Preis dafür zu ermitteln, gleicht einer Mammutaufgabe. Aufgrund der persönlichen Bindung zu dem eigenen Unternehmen und den eher rational-gewinnorientierten Gedanken des Kaufinteressenten, weichen die Preisvorstellungen von Verkäufer und Käufer oft voneinander ab.

Es ist selbstverständlich, dass der Käufer durch zukünftige Gewinne den Kaufpreis möglichst schnell wieder erwirtschaften möchte. Dafür bildet eine erfolgreiche Entwicklung in der Vergangenheit zwar eine gute Basis, stellt jedoch noch lange keine Garantie für eine gewinnbringende Zukunft dar. Ebenso selbstverständlich ist es, dass der Verkäufer durch einen hohen Kaufpreis seine bisherige Leistung honoriert bekommen und einen finanziellen Profit erhalten möchte.

Die Wahl der Bewertungsmethode ist als ein wichtiger strategischer Faktor zu beachten, da die ermittelten Werte teils erheblich voneinander abweichen können. Die drei gängigsten Methoden richten sich nach: Substanz, Erfolg/Kapital oder Markt.

Substanz

-> Substanzwert-Methode

Erfolg

-> Ertragswertverfahren

Markt

->Multiplikatoren-Verfahren

Welche Methode eignet sich für mein Unternehmen?

In einer groben Betrachtung können den Methoden ein paar Leitfragen zugeordnet werden.

  • Das Unternehmen besitzt viele materielle Assets, wie Immobilien, Maschinen oder Fuhrpark? Dann eignet sich die Substanzwert-Methode.
  • Das Unternehmen erwirtschaftet kontinuierliche Erträge (z. B. durch Wartungsverträge), welche auf den zukünftigen Cash-Flow schließen lassen? Hier sollte das Ertragswertverfahrenverwendet werden.
  • Das Unternehmen lässt sich gut mit dem Markt vergleichen oder ist zu jung für regelmäßige Erträge (Start-Ups)? Jetzt empfiehlt sich das Multiplikatoren-Verfahren.

Substanzwert-Methode

Da bei der Substanzwert-Methode die Summe aller Assets dem Unternehmenswert entspricht, ist das Verfahren ziemlich einfach und leicht verständlich. Ohne das Einbeziehen zukünftiger Erfolge und Potentiale wird mit dieser Methode oft ein „Mindestpreis“ ermittelt. Das jedoch macht das Verfahren sehr umstritten, da wichtige Faktoren, wie ein bestehender Kundenstamm, Zukunftspotential und Wettbewerbsfähigkeit, nicht mit einkalkuliert werden.

Die Formel ist entsprechend simpel gestaltet:

Eigenkapital lt. Bilanz

+ stille Reserven in Bilanzpositionen

– nicht verbuchte Schulden

_____________________________

= Liquidationswert/ Substanzwert

(Formel nach: Felden, Birgit und Klaus, Annekatrin: Unternehmensnachfolge. Schäffer Poeschel, Stuttgart 2003, S.113)

Fazit:

Die Substanzwert-Methode ist ein schnelles und einfaches Verfahren, um eine Mindestbewertung desUnternehmens zu bekommen. Da es jedoch keine zukünftigen Erträge einbezieht, sollte der Substanzwert nie als alleinige und ausschlaggebende Größe beim Unternehmensverkauf gelten.

Ertragswertverfahren

Mit dem Ertragswertverfahren werden die bisher erwirtschafteten Erträge bzw. Jahresüberschüsse ermittelt und hochskaliert. Dies ermöglicht dem Käufer eine einfache Berechnung seines Return of Investment (kurz ROI).

In diesem Falle führen vier Schritten zum Unternehmenswert:

Schritt 1.

Das Betriebsergebnis der letzten Jahre wird um außergewöhnliche und einmalige Aufwendungen und Erträge korrigiert -> durchschnittlicher Jahresüberschuss ohne Verfälschungen.

Schritt 2.

Ermittlung des künftigen Gewinns: Hierbei wird der Durschnitt der in Schritt 1 ermittelten Jahresüberschüsse als Ausgangsbasis verwendet.

Schritt 3.

Jetzt muss ein Kapitalisierungszinssatz ermittelt werden. Der Zinssatz berücksichtigt das unternehmerische Risiko und liegt bei kleineren Firmen mit überschaubaren Risiken zwischen 15 und 20 Prozent. Umso höher dieser Wert gewählt wird, desto geringer ist der Unternehmenswert.

Schritt 4.

Anschließend muss nur noch der zukünftig erwartete Gewinn aus Schritt 2 durch den Kapitalisierungszinssatz geteilt werden.

Fazit:
Mit dem Ertragswertverfahren kann einfach errechnet werden, nach wie vielen Jahren sich der Unternehmenskauf bei gleichbleibenden Bedingungen lohnt. Jedoch kann, durch die subjektive Wahl des Kapitalisierungszinssatz, der Unternehmenswert deutlich variieren. Zudem sind die zukünftigen Erträge nicht gesichert und hängen stark von der neuen Geschäftsführung ab.

Multiplikatoren-Verfahren

Bei dem Multiplikatoren-Verfahren werden vergleichbare Unternehmen zur Bewertung herangezogen und auf Grund dessen geeignete Multiples definiert. Das Ergebnis setzt sich aus dem Verkaufspreis dieser Unternehmen in Relation zum Umsatz oder Gewinn des zu bewertenden Unternehmens zusammen. Sobald dieser Faktor definiert ist, wird er mit dem EBIT multipliziert (EBIT =earnings before interest and taxes). Für die Auswahl geeigneter Multiplikatoren gibt es vorgegebene Tabellen, wie z. B. die der KfW Bankengruppe.

Branche Umsatz-Multiplikator EBIT-Multiplikator
von bis von bis
Beratende Dienstleistungen 0,71 1,00 6,4 8,7
Software 1,29 1,78 7,7 10,0
Telekommunikation 0,90 1,25 7,4 9,1
Medien 0,90 1,50 6,7 9,0
Handel und E-Commerce 0,58 0,91 6,5 8,8
Transport, Logistik und Touristik 0,50 0,80 6,0 8,0
Elektrotechnik und Elektronik 0,68 1,00 6,6 8,6
Fahrzeugbau und -zubehör 0,58 0,88 6,0 7,9
Maschinen- und Anlagenbau 0,70 1,00 6,8 8,2
Chemie und Kosmetik 0,95 1,30 7,6 9,5
Pharma 1,40 2,00 8,1 10,3
Textil und Bekleidung 0,70 0,97 6,2 7,9
Nahrungs- und Genussmittel 0,95 1,32 7,5 9,5
Gas, Strom, Wasser 0,70 1,00 6,0 7,8
Umwelttechnologie u. Erneuerbare Energie 0,72 1,06 6,6 8,2
Bau und Handwerk 0,50 0,77 5,4 7,2

(Quelle: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2019/Fokus-Nr.-251-Mai-2019-Kaufpreise-bei-Nachfolge.pdf)

Fazit:

Mit dem Multiplikatoren-Verfahren wird das Ergebnis umso genauer, je besser das Geschäftsmodell mit anderen Unternehmen vergleichbar ist und je mehr Daten vorhanden sind. Zudem kann die Methode auch bei unprofitablen Unternehmen angewendet werden, wenn beispielsweise der Break-Even Point erst in der Zukunft liegt. Nachteilig ist jedoch, dass die Methode kein Wachstumspotential oder Rentabilität berücksichtigt.

Beispielrechnungen zu den verschiedenen Verfahren findest du hier:

-> Gründerplattform

Verwendung eines Online Tools

Welche Methode ist nun die richtige für das Unternehmen? Wie kann ich mir einen schnellen und unkomplizierten Überblick verschaffen?

Hilfe und Unterstützung bieten hier auf Firmenbewertungen spezialisierte Online Tools. Es ist sehr zu empfehlen, dabei auf seriöse und erfahrene Anbieter zu achten, um realistische und nutzbare Aussagen zu erhalten. Dies kann Ihnen der selbst entwickelte, kostenfreien Unternehmenswert-Rechner der RS Corporate Finance GmbH aus Regensburg bieten, die auf die Beratung rund um Unternehmensverkäufe und -nachfolge spezialisiert ist.

Die RSCF GmbH bietet zudem neben dem Kalkulator noch viele weitere Tipps und Tricks rund um den Unternehmensverkauf und die Nachfolgeregelung, welche sowohl auf der Webseite wie auch im eigenen Blog nachzulesen sind.

Hier geht es zum RSCF Unternehmenswert-Rechner  >> Kalkulator

Die Grundlage für den Rechner bildet das sogenannte Multiplikator-Verfahren und basiert auf einer eigens entwickelten Anpassungsmethodik für die Schätzung von kleinen und mittleren Unternehmen.

-> Zum Blog

Fazit:

Unsere Empfehlung bei der Unternehmensbewertung ist die Anwendung mehrerer Bewertungsmethoden, sodass eine price range entsteht. Innerhalb dieser Preisspanne kann der Kaufpreis platziert und anschließend in die Verhandlungen eingebracht werden. Es sollte nicht gezögert werden, bei der Bewertung externe Hilfe zu holen. Denn bekannter Weise ist noch kein Bewertungsmeister vom Himmel gefallen.

Quellen:
https://www.firma-verkaufen.de/faq
https://www.rscf.de/leistungen/unternehmensnachfolge/
https://gruenderplattform.de/unternehmensnachfolge/unternehmensbewertung