Titelbild - Nachhaltigkeitsrisiken für das Datenmanagement

Nachhaltiges Investment: Herausforderungen an das Datenmanagement 

Das explosionsartige Wachstum der Anzahl von Fonds und Indizes, die ESG (Environmental, Social und Governance) Kriterien berücksichtigen, zeigt, dass die Hoffnung des Gesetzgebers, Finanzströme in die Richtung nachhaltiger Wirtschaftstätigkeiten zu lenken, aufgehen kann. (Wir berichteten) Auch Hersteller von Finanzprodukten, die keine expliziten ESG Ziele verfolgen, werden in Zukunft gezwungen sein, Anlegern über gewisse Nachhaltigkeitsaspekte wie z.B. den CO2 Footprint ihrer Produkte und Zielinvestments zu berichten.  

Keine Einheitlichkeit in der Nachhaltigkeitsbewertung 

Bei der Beurteilung von Produkten und Zielinvestments verlassen sich Produkthersteller wie Fondsmanager oder Emittenten von ETFs oftmals nahezu ausschließlich auf Nachhaltigkeitsratings und Daten externer Anbieter, was eine starke Abhängigkeit des Finanzmarktes von diesen Ratinganbietern zur Folge haben kann. Der Markt für Nachhaltigkeitsratings und ESG Daten wurde für das Jahr 2019 auf 619 Millionen USD geschätzt, und es wird ein Wachstum von 20% p. a. erwartet.  

Vorreitern stehen auch Nachzügler entgegen 

Banken sind mit der Einbindung von ESG Daten in ihre Risikomodelle weit weniger vorangeschritten als Asset Manager. Wir sehen eine Aufteilung der Institute in zwei Gruppen: Institute, die die Entwicklung proaktiv begleiten und jene, die abwarten, bis die regulatorische Vorgaben komplett ausformuliert sind.  

Fehlende Regulation der ESG Ratings führt zu Problemen 

Bisher gibt es wenige klare Qualitätsstandards an die Anbieter von ESG Ratings, und ohne ein Verständnis der unterliegenden Annahmen und Daten sind die Ratings schwer nachvollziehbar. Diverse Studien haben gezeigt, dass die Ratings verschiedener Anbieter oft divergieren und teilweise sogar komplett gegensätzliche Ergebnisse liefern. Schon werden erste Rufe laut, Anbieter von ESG Ratings zu regulieren.  

Des Weiteren werden sowohl Investoren als auch Regulatoren erwarten, dass sich die Finanzmarktteilnehmer nicht blind auf die Ratings externer Anbieter verlassen, sondern dass sie sich selbst eine Meinung zur Nachhaltigkeitsperformance ihrer Zielinvestments bilden sollen. Eine analoge Entwicklung haben Ratingagenturen zur Bewertung von Kreditwürdigkeit durchgemacht: 

 Nach der Finanzkrise von 2008 wurden diese unter die Aufsicht der ESMA gestellt, und Manager von Investmentfonds und Altersvorsorgeprodukten dürfen sich bei der Beurteilung von Kreditrisiken nicht mehr ausschließlich und automatisch auf Ratings externer Anbieter stützen. 

Excellence im eigenen Datenmanagement ist gefragt 

Wollen sich Investmentfirmen und andere Marktteilnehmer unabhängig von externen Ratinganbietern machen und ihren Investoren ein klares Bild über die Nachhaltigkeitsperformance und Risiken ihrer Investments geben, so müssen sie neben der fachlichen Expertise vor allem ein sauberes Datenmanagement aufbauen, um entsprechende Berichte und vertiefte Drilldowns erzeugen sowie nach unterschiedlichen Kriterien aggregieren zu können.  

Diese Herausforderungen gilt es zu bewältigen 

Der Marktdatenspezialist Alveo (vormals Asset Control) hat neben dem Management der Datenkosten die folgenden Herausforderungen im Umgang mit ESG Daten identifiziert: 

  • Divergierende Methoden, Standards und Marktabdeckung können die Anbindung mehrerer Daten- und Ratinganbieter erfordern.  
  • Diese Daten müssen mit internen Daten harmonisiert werden. Die zunehmende Menge und Tiefe an verfügbaren ESG Datenpunkten muss sauber mit anderen Stammdaten der unterliegenden Firmen verknüpft werden. Insbesondere im Fixed Income Bereich ist es oft schwierig, ESG Daten den unterliegenden Wertpapieren zuzuordnen.  
  • Rohdaten, die direkt von Unternehmenswebsites oder anderen Quellen kommen, sind meist unstrukturiert und müssen zunächst bereinigt und validiert werden.  
  • Zusätzlich zu den (teilweise noch unklaren) regulatorischen Anforderungen entwickeln diverse Marktteilnehmer und NGOs wie die PRI und die SASB Klassifizierungssysteme und Reportingstrukturen, die sich in konkreten Anforderungen der Investoren und Kunden widerspiegeln werden. Daher muss der Datenhaushalt für ESG Daten flexibel gestaltet werden, so dass er mit den sich noch entwickelnden Daten- und Reportinganforderungen kontinuierlich angepasst werden kann. 

Da ESG Daten sowohl von internen als auch externen Datenquellen zur Verfügung gestellt werden, muss das entsprechende Markt- und Referenzdatensystem neben proprietären Anbindungen auch den Aufbau von flexiblen, hauseigenen Schnittstellen ermöglichen. Wesentliche Komponenten eines solchen flexiblen Modells sind:  

  • Historische Aufzeichnung der Originaldaten in unveränderter Form, um auch zukünftige Änderungen der Algorithmen beim Mapping und Matching auf die Historie anzuwenden zu können  
  • Normalisierung der Scores und Werte auf eine interne Repräsentation  
  • Verknüpfung der normalisierten Daten zu abhängigen Finanzinstrumenten und Erstellung einer Golden Copy (Konsolidierung)  

Im Normalisierungsprozess wird die nötige Funktionalität bereitgestellt um die unterschiedlichen Ausprägungen der Daten auf eine einheitliche, interne Sicht zu bringen. Im Schritt der Konsolidierung erfolgt die fachliche Qualitätssicherung der Daten.  

Nachhaltiges Investment – Eine Notwendigkeit 

Nur wenige deutsche Banken haben bereits ESG-Daten in ihre Risikomodelle implementiert. Demnach ist nun Zeit für bewusstes Handeln – ein Trend, der im Jahr 2022 an Fahrt gewinnt und sich danach weiter fortsetzt.

 

Wir von intouchCONSULT e.V. bedanken uns herzlich bei Nagler & Company für die Bereitstellung der spannenden Inhalte! 


TITELBILD/ Towfiqu barbhuiya auf Unsplash 

TEXT/ Dr. Robert Wendt und Florian Eberlein von Nagler & Company